Spotlights: Madrid

Radeln auf spanischen Straßen


Spotlights: Stadtfeste

Schnellstraßen auch für Radler

Vor dem Hauptausgang des Flughafens zu Madrid das übliche Bild: jede Menge Taxis, ein riesiger Parkplatz, alle wegführenden Straßen werden zu Stadtautobahnen oder autobahnähnlichen Mehrspur-Schnellstraßen. Da lernt der Radler als erstes: in Spanien gibt es nicht immer Alternativen zu solchen Straßen, dafür werden Radler auch auf solchen Straßen geduldet, zumindest da, wo Alternativen offensichtlich fehlen.

Verkehrsverhalten

Als wir es nach knapp zwei Stunden geschafft hatten, aus dem Einzugsgebiet von Madrid herauszukommen, hatten wir bereits mit allen Gepflogenheiten des spanischen Straßenverkehrs Bekanntschaft gemacht, auch mit dem Verhalten spanischer Autofahrer gegenüber Radfahrern.
Wir stellten fest, daß die Spanier vergleichsweise rücksichtsvoll und regelgerecht fahren. An roten Ampeln wird gehalten, nur wenn kein Querverkehr kommt und die Rotphase zur Qual wird, wird einfach losgefahren. Auf Landstraßen überholt zumindest die Mehrzahl der Autofahrer einen Radfahrer mit großen Sicherheitsbögen - allerdings gibt es auch solche, die gnadenlos und knapp an einem vorbeizischen. Einige hupen beim Überholen - das ist aber meist kein Ausdruck der Verwunderung, sondern ein generelles Überholsignal, so lernen sie es wohl in der Fahrschule.

Verkehrsregeln

Besonderheiten gibt es wenige. Es gilt das Rechtsfahrgebot. Einige Straßenschilder weichen von den unsrigen ab, entsprechen jedoch der internationalen Syntax für Straßenverkehrsschilder. Häufig findet man Kreisverkehr-Kreuzungen, die für Radfahrer nicht ganz ungefährlich sind, da die spanischen Autofahrer beim Rechtsabbiegen gerne "schneiden". Sehr praktisch sind aus Radfahrersicht dagegen die häufig anzutreffenden, nach rechts ausscherenden Abbiegebögen für Linksabbieger - zumindest, wenn man selber links abbiegen will.

Straßenqualität und Abgase

Größere Überlandstraßen haben oft breite Sicherheitsstreifen am Rand, die man hervorragend als Radfahrspur nutzen kann. Die Asphaltqualität auf größeren Straßen ist durchweg gut, da diese Straßen noch gar nicht so alt sind. Auf kleineren Nebenstraßen muß man auch schon mal mit Buckelpisten und Flickenteppichen rechnen. Bei den vielen kleinen und großen Anstiegen und Gefällen im spanischen Festland wird die 10%-Marke jedoch nur selten überschritten, was für Radfahrer sehr angenehm ist. Ausnahmen sind natürlich Hochgebirgsgegenden.
Katalysatoren sind in Spanien noch nicht sehr weit verbreitet, viele Autos verbreiten originalen Benzingestank. Laster und Busse können einen auch schon mal schwer mit Qualm einnebeln. Wer längere Zeit in Madrid zu leben gedenkt und dort das Fahrrad als Verkehrsmittel benutzen will, sollte sich eine Atemschutzmaske zulegen.

Verkehrsdichte

Die Verkehrsdichte ist sehr unterschiedlich. Im Umkreis von Madrid grenzt sie ans Unerträgliche. In menschenleeren Landstrichen wie dem Gebiet um Cijara kann man Dutzende von Kilometern fahren, ohne einem einzigen Auto zu begegnen.
In mittelalterlichen Städten wie Cáceres oder Trujillo sollte man die Räder besser stehen lassen. Leider dürfen Kraftfahrzeuge dort in jede noch so enge Gasse, was nicht nur die Bausubstanz ruiniert, sondern für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer zu häufigen Streßsituationen führt.

Gesamteindruck

Insgesamt haben wir uns auf Spaniens Straßen relativ sicher gefühlt. In brenzlige Situationen gerieten wir auch nicht häufiger, als es bei einer vergleichbaren Tour durch Deutschland der Fall gewesen wäre. In weniger bevölkerungsreichen Gegenden können wir auch größere Überlandstraßen uneingeschränkt zum Radeln empfehlen. Was den Schutz vor den Folgen der Massenmotorisierung betrifft, müssen die Spanier allerdings noch viel lernen.