Intro: Tour-Eckdaten

Tour-Philosophie


Versuch des sanften Tourismus

Nicht jedes Bereisen eines Landes ohne Auto ist schon sanfter Tourismus, und das Bereisen eines Landes mit dem Fahrrad ist auch nicht alleine deshalb schon sanfter Tourismus. Nicht jedes Bereisen einer Gegend, in der noch kein Massentourismus herrscht, ist sanfter Tourismus. Sanfter Tourismus hat weniger mit Lärm und Abgasen und Anzahl der Touristen zu tun als mit dem, was sich in den Köpfen der Reisenden abspielt. Sanfter Tourismus ergibt sich aus dem Bewußtsein, ein Reisender in in einer fremden Gegend zu sein.

Das klingt trivial, ist es aber nicht. Viele Reisende haben nämlich genau mit diesem Bewußtsein ihre Schwierigkeiten. Sie verstecken sich entweder vor dem Fremden (der unverkennbar Deutsche mit Haweii-Hemd, Bierbauch und Suche nach paniertem Schnitzel auf der Speisekarte), oder sie verstecken sich vor sich selbst (der alternative Deutsche mit Jellaba-Umhang in Marokko, Spielkette in Griechenland und ....). Sie sind entweder nicht fähig, das Fremde in sich hineinzulassen, oder nicht fähig, es als das Fremde zu akzeptieren. Die einen können sich nicht mit dem Fremden identifizieren, die anderen wollen es krampfhaft. Und beides führt zu einem "falschen Bewußtsein" und damit zu "unsanftem Tourismus".

Wer das Fremde nicht versteht und mit selbstverständlichem "Jetzt komm ich" eine Gegend bereist, wird stets seine heimischen Maßstäbe an alles anlegen, was er in der Fremde erlebt. Sobald er mit Einheimischen in Berührung kommt, verursacht er Ärger und Konflikte. Meistens versucht er das aber gar nicht erst und beschränkt sich auf eigens für diese Art von Reisebewußtsein errichtete Hotelanlagen.

Wer dagegen krampfhaft sich selbst verleugnet und wie selbstverständlich versucht, typische gesellschaftliche Formen und Gewohnheiten der fremden Gegend zu übernehmen, erntet normalerweise nur Mißtrauen bei Einheimischen, aber blind dafür, glaubt er, wegen seiner Anpassungskunst besonderes Gastrecht zu genießen. So lädt er sich auf griechische Großamilienfeste ein, schläft in andalusischen Scheunen und nimmt an indischen Baderitualen teil.

Wer versucht, sanften Tourismus zu praktizieren, muß versuchen, sich auf das Fremde einzulassen, ohne sich selbst oder anderen zu verheimlichen, daß es das Fremde für ihn ist. Er darf dem Fremden nicht aus dem Weg gehen, aber er muß es mit gebührendem Respekt und Abstand behandeln.

(Dieser Text ist vor Antritt unserer Tour entstanden, vielleicht als Versuch, das "richtige Bewußtsein" zu entwickeln)

Sonne

Licht und Stille, Staub und Hitze, südliche Melancholie, eine allesbeherrschende Sonne, ein Hauch Verwesung, steiniges Land mit knorrigen Gewächsen, alte Gemäuer und alte Gedanken. Wenn die Sonne am Abend versinkt, hat sie das Leben erzeugt, leben lassen und verbrannt. Bevor die Sonne wieder aufgeht, werden alle Karten neu gemsicht.

Frischluft

Versuchen, nicht mehr von Zielen und Erfolgen zu leben, sondern von Eindrücken, Verarbeitung der Eindrücke und vom eigenen Ausdruck; versuchen, es in diesem Austauch auszuhalten, der so ursprünglich ist wie der von Werden und Vergehen. Einfach atmen. Geeignete Luft ist natürlich Voraussetzung.

Kultur

Höchstwahrscheinlich ist unser Universum eine Zelle unter Milliarden anderer Zellen im Körper eines Lebewesens, das gerade an einem Sommernachmittag im Licht einer uns absolut unvorstellbaren Sonne ein kleines Nickerchen hält. Aber daß es in einem solch winzigen Teilchen wie unserem Universum Milliarden von Sternen und Planeten gibt, von denen ein einziger, recht unbedeutender Milliarden von Lebewesen Platz bietet, die zum Teil in der Lage sind, Schlösser zu bauen, Mosaike zu legen oder aus Öl und Leinwand Bilder herzustellen, sollte uns doch zu denken geben und tiefe Ehrfurcht einjagen.

Genußlust

Bevor wir es vergessen zu sagen: es geht hier um eine Fahrrad-Tour, nicht um Biker-Action. Es geht um die Freude an leckeren Sachen und süffigen Weinen, nicht um Pulszahlkontrolle und Vitaminprogramme. Wir fahren nicht über anstrengende Berge, weil wir über anstrengende Berge fahren wollen, sondern weil anstrengende Berge in Gegenden wie denen Zentralspaniens nun mal dazugehören. Rückenwind ist uns lieber als Gegenwind, aber wenn der Wind unbedingt in die entgegengesetzte Richtung will wie wir, versuchen wir eben, auch dem noch etwas abzugewinnen. Wir sind keine gestählten Sieger und Überwinder, wir lassen es uns lieber gut gehen so gut es geht. Wem das nicht paßt, der kann ja stattdessen die Web-Site CyberIron Bodybuilding For Hardcore Bodybuilders besuchen...